Sie legte ihre Schultern zurück und atmete tief durch, drehte sich zur
Hälfte um und sah noch ein letztes Mal in den Spiegel und betrachtete sich.
Sie nickte und wand sich zur Tür, griff an die Klinke und
Sie drückte
sie nicht herunter. Nein. Sie drehte sich um und lief zum Fenster, öffnete
es und starrte nach draußen. Ihre Hand hob sich langsam und sie zog den
Kranz aus ihrem Haar, wobei es den Halt verlor und seidig über ihre nackten
Schultern glitt und ließ ihn zu Boden fallen. Sie kletterte auf den Fenstersims
und lehnte ein Bein aus dem Fenster, stellte ihren Fuß auf das Rosengatter
und stieg langsam in die Tiefe.
Unten angekommen rannte sie über die Wiese, den Rock des Kleides angehoben
um nicht zu stolpern.
Man schien sie gesehen zu haben, denn ein Stöhnen und Aufrufen ging durch
die Menge, die sich auf das kostenlose Essen schon gefreut hatte, denn dieses
gab es bei allen Hochzeiten. Ihre Schwester rief ihr nach, rannte gar hinter
ihr her, doch der Abstand zwischen ihr und Mirelle war zu groß, als dass
sie jene hätte einholen können.
Auf dem großen Parkplatz, weit ab von der Kirche, blieb sie stehen und
starrte den Mann, der an ihrem Auto stand mit großen Augen an. Was tat
er hier? Sie ging langsam auf ihn zu und er lächelte sie nur charmant,
wie immer, an. "Ich wusste, dass du hier her kommst. Ich kenne dich"
entgegnete er. "Dann lass uns gehen" meinte sie mit einem breiten
Grinsen und stieg, durch die ihr offen gehaltene Türe, in den Wagen.
Ihr zukünftiger Ehemann setzte sich ans Steuer, ließ den Motor anspringen
und blickte sie mit einem sanften Lächeln an "Dorthin, wo wir uns
kennen lernten?" frug er sanft und streckte eine Hand aus, um ihr eine
Haarsträhne aus dem Gesicht zu streichen. "Sehr gern" antwortete
sie ihm knapp und blickte nach draußen.
Im Park angekommen sahen sie sich um und grinsten beide schelmisch. Und wieder spielten sie ihr Spiel. "Die dort, am See.. Die beiden Jungs sind Zwillinge Beide buhlen um das schicke Mädel. Und der arme Kerl im Wasser, versucht zu imponieren" meinte er und beobachtete die drei Jugendlichen. "Sie aber, spielt nur und keiner von den beiden Brüdern weiß, dass sie schon mit beiden ein Tächtelmächtel hatte" kicherte sie leise vor sich hin.
Der Mann ließ seinen Blick wieder schwenken und sah zu der Gruppe auf der Holzempore "Was meinst du, ist mit diesen beiden?". Sie folgte seinem Fingerzeig mit Blicken und musterte kurz die kleine Gruppe "Die Putze da, die ärgert sich schon die ganze Zeit, dass da irgendwelche Leute Krümel verstreuen und sie sauber machen muss. Sie zeigt es aber nicht, weil sie sonst gefeuert wird. Der Junge erzählt seinen starren und entsetzten Eltern gerade, dass er die Schule schmeißen und ins Ausland gehen wird. Zu seiner Internetbekanntschaft Shi-Wong, mit der er sich schon heimlich getroffen hatte, als sie hier zu Besuch war. Dabei ist ein Kind zustande gekommen, um das er sich kümmern muss" Sie lachte laut und glockenhell auf. Wieder eine Eigenschaft, in die er sich verliebt hatte.
"Und das Mädchen, das da mit seiner Tante sitzt, bewundert und beneidet
dich um deine Schönheit und des Tages wegen. Denn du solltest eigentlich
in diesem Moment wo anders sein" rief er ihr ins Gedächtnis und sie
bedachte ihn mit einem warmen, zärtlichen Blick. Ein Nicken, war das einzige,
das sie beide zum Aufbruch bewegte.
Und so fuhren sie zurück zur Kirche und ließen sich vermählen.
Ende
Mona